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Gesa Reuter ist in Norddeutschland geboren, lebt und arbeitet in Detmold. Seit 1996 malt sie mit verschiedenen Lehrern  des VBK Berlin, insbesondere Helga Ntephe. Seit 2014 stellt sie vermehrt aus, seit 2017 auch international, hat mittlerweile erste Sammler in Europa, Neuseeland und den USA, ist national und international vertreten in Wettbewerben, Sammlungen und Ausstellungen.

"Shades of blue sweep across the canvas of Gesa Reuter’s artworks as she paints landscapes, seas, skies and clouds to convey the beauty of nature and how it connects to emotions of the soul. The ultramarine pigments hold particular importance to the artist, as she uses their symbolic qualities to represent wisdom, loneliness, sadness and also great beauty. Based in Detmold, Germany, Reuter’s practice started in 1996. She has since studied the  techniques of the Old Masters, layering selfmade gouache, egg tempera and sometimes oil to build her paintings with different layers of paint from thick to thin. Since her ‘Blue Worlds’ series she has discovered the power of watercolours and ink in her work, enjoying the way the lightness of the materials can describe her inner feelings. Rather than using photographs or attempting an accurate visual representation of a place, she prefers to use the power of memory; her artworks are an expression of her feelings in the moment of experiencing the landscape." ("Inside Artists", Issue 9, 2017) 

"Gesa Reuter gibt uns mit ihren Bildern eine Palette an Möglichkeiten, die Bilder erst einmal als Erlebnis wahrzunehmen (...) Sie gibt uns den Anlaß in blau - was immer Freiheit bedeutet, was immer Offenheit bedeutet, was den Kopf aufmacht, was auch den Geist aufmacht und die Seele lösen kann - einzutauchen, eine Fläche, um unsere Seele frei werden zu lassen und uns vor unsere inneren Landschaften zu stellen. Dass eine solche Weite assoziiert ist mit einer Landschaft – und ich weiß dass ich ihr jetzt unter Umständen Unrecht tue – aber dass eine solche Weite uns selbst innerlich weit machen kann, ist ein wirkliches Angebot der Künstlerin" (Jo Pellenz, Kurator der Art Pul, 2017 im Pan Museum, Emmerich)

INTERVIEW mit Martin Petersen von Artvergnügen:

Warum malst du?

Gute Frage, das wüsste ich manchmal auch gern. Ich weiß es nicht wirklich, ich kann es vielleicht analysieren aber es ist ungefähr so ähnlich als ob mich jemand fragt „warum lebst Du?“ – ich tue es einfach, es gehört zu mir und ich mag nicht mehr damit aufhören. Ich denke und sehe und fühle immer Kunst, nebenbei oder in der Hauptsache, aber es begleitet mein Dasein, es ist ein Teil von mir, vielleicht der wichtigste Kanal, auf dem ich mich ausdrücke und kommuniziere.

Die Kunst und du: wie habt ihr euch getroffen?

Ich habe schon als Kind viel gestaltet und erfunden, heute würde man sagen „designt“, in einer Welt aus Kunst, Musik und Dichtung gelebt, aber dann durch Schule und schlechten Kunstunterricht den Zugang zur Kunst für ein paar Jahre wieder verloren. Eines Tages fiel mir ein Angebot für einen Kurs an der Sommerakademie in die Hände, und da gerade ein Ausbildungsabschnitt geschafft war, habe ich mich zur „Belohnung“ für eine Woche Temperamalerei angemeldet – und dann viele Jahre lang jeden Sommer einen Kurs gebucht. Es war dann aber noch ein weiter Weg, bis ich selbst begriffen habe, dass ich wirklich Künstlerin bin und es immer schon war.

Wie hat sich deine Kunst entwickelt?

Anfangs war ich an der Sommerakademie bei den Profikünstlern etwas überfordert und habe lieber erst mal konkret Leinwände gebaut und grundieren gelernt. Handwerken fand ich schon immer toll. Aber dann hat es mich doch gepackt mit dem Malen, ich habe angefangen regelmäßig in Museen zu gehen und das Malen hat erst meine Sehgewohnheiten geändert, dann habe ich durch die Bilder in den Museen und Ausstellungen von anderen Künstlern gelernt. Dazu habe ich Kurse in Zeichnen, Modellieren, Fotografie, Druck gemacht und ich glaube, jedes Element für sich hat mein Sehen geschult und war wichtig für das, was ich heute mache. Mit der Zeit habe ich verstanden, dass meine Bilder mir etwas über mich sagen wollen und dass andere Künstler auch durch ihre Bilder mit mir kommunizieren. In bestimmten Ausstellungen wie z.B. MoMA in Berlin war ich 3 Tage hintereinander non-stop. Ich hatte dort das Gefühl, mit den amerikanischen Expressionisten wie z.B. Mark Rothko treffe ich gute Freunde. Deren Art zu malen hat mich sehr beeindruckt und beeinflusst.

Welche Techniken setzt du gegenwärtig ein und was schätzt du an ihnen?

Ich male ohne festes Konzept sehr wässrig und prozessorientiert, momentan vor allem mit Gouachefarben, Tinte und Aquarell, auch manchmal Eitempera, selten Öl. Ich habe gelernt, in vielen Schichten zu malen, wie die alten Meister früher, weil das den Bildern Licht und Tiefe gibt. Je mehr Schichten, desto interessanter oft das Bild. Gleichzeitig bekomme ich durch meine Nass-in Nass-Techniken quasi Geschenke vom Wasser, es passieren Effekte im Trocknungsprozess die ich inzwischen für mich nutze und versuche zu lenken. Zu entscheiden was bleibt, was wieder gehen muss, gehört für mich zum Prozess des Malens. Hinzu kommen Collagen und Arbeiten mit Fotos und Wachs, die aber auch wieder in Schichtungen funktionieren. Für mich sind die Schichtungen eine Parallele zur Vielschichtigkeit unseres Lebens und unserer Seele. Erst viele Schichten und verschiedene Aspekte machen einen Menschen und für mich auch ein Kunstwerk erst richtig interessant.

Welche Themen sind wichtig für dich und deine Arbeit?

In meiner Malerei geht es momentan hauptsächlich um semiabstrakte Landschaften. Es sind aber mehr innere Landschaften als reale äußere Gegenden, ich male mehr Stimmungen, Gefühle , Sehnsüchte als reale Orte. Nach den Wahlen in Amerika habe ich eine ganze Reihe stürmischer grauer Aquarelle gemalt („Stormy Grey Seas“-Serie), da ging nicht Farbiges. In den Collagen verarbeite ich mittlerweile alle Themen die mich interessieren und beschäftigen, z.B. entwickele ich gerade eine neue Collage-Serie „Familiy Affairs“ über meine Familie und deren Geschichte. Beim Fotografieren suche ich gern verfallene Orte, Landschaften oder hässliche Häuserfluchten auf, Gegenden, die gern übersehen werden und verfremde diese oft wieder zu einer malerischen und poetischen Sprache. Auch Düsteres und Morbides oder Störendes hat Schönheit.

Welches sind deine wichtigsten Inspirationsquellen?

Das Leben selbst, schöne Landschaften, Städte und auch immer wieder das Sehen der Bilder und Fotos anderer Künstler, Ausstellungen und Museen besuchen. Ich habe dann das Gefühl, mit der Kunst im Dialog zu sein. Danach muss ich meist direkt ins Atelier und meine Eindrücke verarbeiten. Bilder zu sehen, die mir gefallen, löst immer den Wunsch zu malen und zu arbeiten aus. Oft kommen mir aber auch jede Menge Ideen beim Autofahren und Gedanken schweifen lassen. Das hört eigentlich nie auf.

Die Farbe Blau ist sehr präsent in deinen Bildern. Was bedeutet sie dir?

Ich habe sie nicht bewusst gewählt, sondern es passiert einfach immer wieder, weil ich Blau, besonders Ultramarin, so ungeheuer schön finde. Ich könnte mein Leben lang nur mit Blau malen. Ich habe mal in der Farbenlehre nachgeschaut, wofür Blau eigentlich steht und es ist eine eher geistige Farbe, die für Tiefe und Spirituelles, Weite im Universum und tiefe innere Welten steht und das passt sicher ganz gut zu mir.

„If you love me, take me to the sea“ heißt eine Serie deiner Bilder. Gilt das auch für dich persönlich?

Absolut! Es gibt nichts Schöneres für mich als ans Meer zu dürfen, besonders ans raue Meer im Norden mit klarem Licht und den Kopf frei pusten lassen. Ich bin in Norddeutschland geboren und vermisse das Meer jeden Tag, deswegen kann ich mir nichts Schöneres vorstellen als alles stehen und liegen zu lassen und spontan loszufahren.

An welchem Ort arbeitest du und wie hast du dich dort eingerichtet?

Ich lebe und arbeite momentan in Detmold und habe mein Atelier in der Wohnung. Das ist einerseits sehr praktisch, da ich morgens nach dem Aufwachen mal eben gucken gehen kann, wie sich die Bilder vom Vorabend im Trocknungsprozess verändert haben, ich kann zwischendrin kleine neue Schichten machen und dann wieder andere Dinge tun. Aber es wird langsam etwas klein dort und da ich immer an vielen Bildern gleichzeitig arbeite, bräuchte ich dringend mehr Platz!

Wie sehr beeinflusst die Umgebung in der du lebst deine Malerei?

Begrenzt. Bestimmte Umgebungen regen mich natürlich mehr an als andere, aber da meine Bilder innere Bilder sind, würden sie überall entstehen. Tatsächlich beeinflussen mich mehr die verfügbaren Materialien und der verfügbare Platz und die Reisen, die ich mache. Eine Reise verändert immer etwas in meiner Kunst.

Was brauchst du sonst, um gut malen zu können?

Ich brauche Platz und am besten leere weiße Wände, viele Tische auf denen ich Bilder liegend bearbeiten und trocknen lassen kann. Vor allem muss es schmutzig werden dürfen. Meine Malerei kleckert und am Ende ist dann alles blau!

Wie fühlt es sich für dich an, deine Bilder loszulassen?

Früher war das schwer, weil ich noch nicht wusste ob ich je wieder so ein „gutes“ Bild hinkriegen würde. Heute habe ich genug Vertrauen in meine Malerei, dass ich weiß es kommt immer wieder Neues und Gutes nach. Ich freue mich heute sehr, wenn meine Bilder einen schönen Platz finden, wo sie geschätzt werden und angeschaut werden, wo sie mit Menschen kommunizieren können und diesen Menschen etwas geben, und bisher fühle ich mich mit allen Menschen verbunden, die eines meiner Bilder haben. Es gibt aber auch immer mal wieder das eine oder andere besondere Bild, das ich lieber noch behalten möchte und das sammle ich dann erst mal selbst.

Gibt es etwas, das du durch Kunst in den Menschen bewegen willst?

Ich wünsche den Menschen, dass sie auch so viel Freude in der Kunst erleben dürfen wie ich, aber im Grunde male ich immer erst mal für mich selbst. Wenn das dann andere berührt, dann habe ich einen guten Job gemacht, dann besitzt das Bild etwas Gültiges.

Was macht dir am meisten Spaß an der Kunst?

Das Gefühl, das beim Malen und Kunst machen immer wieder entsteht, der „flow“, der Kontakt zu meiner innersten Seele, das möchte ich nicht missen.

Und was nervt dich manchmal?

Das was ich an jedem Job nervig finde: aufräumen, verwalten, sich anpreisen müssen, die Social media regelmäßig bedienen.... am glücklichsten wäre ich in einem Häuschen am Meer und jemand anderes würde sich um den ganzen Alltagskram kümmern.

Wie reagieren die Menschen auf deine Bilder?

Unterschiedlich, viele lieben sie sofort und reagieren auf Farben und Stimmungen, möchten eines sofort mitnehmen, andere mögen Abstraktion überhaupt nicht, können damit nichts anfangen und finden das alles nur „zufälliges Gekleckse“.

Was tust du, wenn du nicht malst?

So intensiv leben, wie es geht.